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Samstag, 6. August 2016

Wakenitzman 2016

Ist die Achillessehne nicht bereit schmerzfrei zu kooperieren, muss eine neue Idee her.
Alles, was mit Laufen oder Rad fahren zu tun hatte, schied erstmal es. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie schnell bzw. ob ich überhaupt wieder schmerzfrei laufen oder radeln würde. Es blieb somit nur noch Schwimmen und ohne Ziel geht auch die beste Motivation flöten.
Startvorbereitungen
Also, man suche ein (etwas über-) ambitioniertes Ziel und melde sich für den Wakenitzman an, als Einzelschwimmer (Staffel hätte es ja auch getan, aber nein...). Ganz ehrlich, ich war bisher nicht gerade ein Topschwimmer, sondern kam bei 3,8 km Schwimmen in der Regel nach 1:20 h aus dem Wasser gekrabbelt.
Kurzum, der Größenwahn führte meine Finger bei der Anmeldung.


Doch Moment, was genau ist denn eigentlich der Wakenitzman?
Der Wakenitzman ist eines der längsten, wenn nicht sogar das längste Freiwasserschwimmevent in Deutschland, genauer im "Amazonas" des Nordens, also der Wakenitz. Die Wakenitz fließt vom Ratzeburger See bis nach Lübeck und diese Strecke von 14 km galt es schwimmend zu bewältigen.
Warten...

Ich hatte eigentlich keine Ahnung, wie man dafür trainiert und Trainingspläne aus dem Internet für 14 km Open Water sind auch nicht zu finden. Zum Glück bekam ich noch kurzfristig einen Plan für 20 - 25 km von Matze. Nun hieß es Kacheln zählen. Freiwassertraining ist nicht so meins, da mir die großen Fische, die mich immer beobachten, etwas suspekt sind.


Kann losgehen

Am Morgen des Wettkampfes klingelte dann um 4 Uhr der Wecker. Das ist dann immer dieser Moment, bei dem ich mich frage, müssen es Wettkampfstarts sein, ist das Training so nicht auch ausreichend? Half ja nichts, meine Paddlercrew wartete bereits vor Ort.

Jeder Schwimmer wird von einem Kanu samt Crew begleitet (entweder eigene Crew oder vom Veranstalter organisiert), die verpflegt, motiviert und die Linie vorgibt.

Vor Ort angekommen, nach gefühlt stundenlanger Parkplatzsuche, hatte ich die sprichwörtlichen Hosen ein wenig voll. Hatte ich mir zu viel vorgenommen? Würde meine Form reichen? Schaffe ich das Zeitlimit von 5:30 h überhaupt? Im Becken war die Pace kein Problem, doch hatte ich noch keine Wettkampfzeit über eine längere Distanz mit einem passablen Schnitt geschwommen. Meine 3,8 km Bestzeit lag bei 1:18 h, ohne irgendwelche Verpflegung und vor allem 10,2 km weniger als ich diesmal schwimmen sollte. Was passiert, wenn ich müde werde? Beim Laufen hält man, beim Rad fahren rollst du und beim Schwimmen, säuft man da ab?

Fragen über Fragen, die mich zweifeln ließen. Zum Glück baute mich meine Crew wieder auf. Der Fahrplan war besprochen, alle 2,5 – 3 km Gel und Getränk, alle 1000 m Restdistanz auf eine Tafel schreiben. Ab und in den Neo und an den Start. Der Start ist ein Wasserstart in Rothenhusen. Wir knapp 50 Einzelstarten hatten 15 min vor den Staffeln (2er und 4er) unseren Start.

Der Startschuss fiel und der Kampf um die besten Füße begann. Na ja, ging ja schonmal gut los ;).
Ich fand, die für mich perfekten Füße und los ging die Reise, schön ruhige 4er Atmung. Orientieren musste ich mich nicht, ich vertraute einfach den Füssen vor mir.

Wir müssen den Ausflugsdampfer an einer Engstelle passieren lassen
 

Die Wakenitz ist ein Naturschutzgebiet und daher ist es unter Wasser sehr „bewaldet“, einzig die Fahrspur des Ausflugsdampfers ist relativ frei und auch Ideallinie. Das Wasser war so klar, dass man sich klasse daran orientieren konnte. Irgendwann fand mich auch mein Begleitboot und so glitten wir dahin. Nach 3000 m und knapp 50 min hab ich dann die erste Verpflegung genommen, leider verlor ich dadurch die Füße. Nun war ich erstmal auf mich alleine gestellt, da ich aber mitten im Feld war, fand ich schnell wieder Füße und siehe da, den Neo kannte ich doch. Ich hatte „meine“ Füße wieder gefunden. So zogen Kilometer und Zeit dahin. Ich hatte jegliches Gefühl für Zeit und Distanz verloren.

Plötzlich jubelte meine Crew, wir hatten km7 und damit den wichtigen Cut off deutlich vor der Zeit erreicht, jetzt hatte ich einen ordentlichen Puffer. Bei km 8,5 mussten wir den Ausflugsdampfer passieren lassen und aufpassen, dass ich nicht in eine großes Seerosenfeld schwimme. Ab jetzt war das Wasser weniger klar, eher grünbraun und die Sichtweite hatte sich auf ca. 30 cm verkürzt. Nun wechselte sich grünbraun mit dem Blick auf meine Paddlercrew ab, je nachdem, ob ich atmete oder nicht. Nun kam es darauf an, auch vom Kopf her durchzuhalten.

Nachdem wir km 10 passiert hatten, bat ich mir alle 500 m die Distanz durchzugeben. Immer wieder zwang ich mich vernünftig zu kraulen und konzentriert zu bleiben.

Langsam kam Lübeck und damit auch das Ziel in Sicht, zumindest für meine Paddler, aus meiner Perspektive sah ich nicht viel.
Ich fragte nach, wie weit es noch sei. Da um die Boje und dann bist du da, war die Antwort. Boje? Ah, da... Warum winken alle so wild? Moment „Du bist zu weit“ ruft es aus meinem Boot.
Das Ziel :)
Na ja, kann mal passieren. Da bin ich am Ziel vorbei geschwommen. Schnell umdrehen, abbiegen, anschlagen, Glocke läuten und ZIEL! Nach 4:20 h hab ich als 7. Frau nach 14 km das Ziel schwimmend erreicht. Ein extrem cooles Gefühl. Der Boden schwankte zwar ein wenig als ich an Land war, aber ich war happy.


Das war mein Wakenitzman 2016 Erlebnis. Und es war großartig.

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